Heike Drechsler wird 60 – “Die Jüngeren kennen mich aus Rote Rosen”

 

“Es ist nur eine Zahl”, lacht Heike Drechsler im großen Interview mit “SPORT IM OSTEN”. Die Leichtathletik-Königin und zweifache Olympiasiegerin ist am Montag (16.12.2024) 60 Jahre alt geworden – und nimmt das Alter entspannt: “Ich habe noch richtig Lust darauf, Sport zu machen, mich zu bewegen, zu laufen”, erzählt Drechsler, die mittlerweile in Berlin wohnt und immer noch Wettkampfgewicht hat.

Oder? “Naja, Muskeln und Fett haben sich vielleicht etwas verlagert, aber ich fühle mich gut”, erzählt die frühere Weltklasse-Weitspringerin, die die Tartan-Bahn längst mit Wald- und Wiesenwegen getauscht hat und viel mit ihrem Mann und ihrem Labrador unterwegs ist. “Wir haben eine richtige Hunde-Gruppe”, erzählt die gebürtige Geraerin, deren Stimme pure Lebensfreude ausstrahlt und die sich zum Geburtstag vor allem eins wünscht: “Ein friedliches Miteinander – und natürlich Gesundheit.”

Die Freunde waren ausschlaggebend

Zwei Geschwister, die Mutti alleinerziehend im Schichtdienst. Als Heike zwölf war, zieht sie ins Internat ein. Damals wusste das Leichtathletik-Talent nicht, worauf sie sich einlässt. “Ich war mit meinen Freunden zusammen, das war entscheidend. Außerdem war ich schon immer neugierig – das ist bis heute so. Ich hatte Lust, einen Riesenberg zu erklimmen, obwohl ich nicht wusste, ob ich da oben ankomme”, blickt Drechsler zurück. Der Schritt ins Internat war goldrichtig, die Zeit prägend.

Mit 18 zum ersten Mal Weltmeisterin

Schnell war klar, dass Drechsler ein Top-Talent ist. Mit 16 sprang sie bereits 6,91 Meter. Mit 17 war sie Teil der “großen” DDR-Nationalmannschaft. Mit 18 wurde sie erstmals – und damals völlig überraschend – Weltmeisterin. Es war der wohl entscheidende Moment in ihrer Karriere. “Ich hatte zu Beginn nicht gerade das größte Selbstbewusstsein”, erzählt Heike Drechsler, die damals unter ihrem Mädchennamen Daute startete, ehrlich. Doch der WM-Triumph zeigte, dass sie die Konkurrenz schlagen kann und keine Angst vor großen Namen haben muss.

Als Ost-Athletin im Westen gefeiert

Ein großer Name auf der Weltkarte war die junge Thüringerin nun plötzlich selbst, die sehr gute körperliche Voraussetzungen hatte, aber “auch hart trainieren konnte”. “Ich hatte immer Spaß daran, viel Leidenschaft und einen sehr guten Trainer.” Dass auch Doping im Spiel war, erfuhr Drechsler viele Jahre später. “Natürlich war ich damals naiv”, sagte sie einst im Deutschlandfunk, “aber ich bin dort aufgewachsen und ich dachte, alle wollen nur das Beste für mich.”

Die Beste war Drechsler bei der EM 1986 in Stuttgart. Sie gewann Doppel-Gold – im Weitsprung und über 200 Meter. Als Athletin aus dem Osten gefeiert vom West-Publikum. Noch heute bekommt sie Gänsehaut, wenn sie daran denkt. Sie konnte schnell rennen, aber Weitsprung war ihre Spezialdisziplin, Sprünge über sieben Meter an der Tagesordnung. Insgesamt flog sie 409 Mal über die magische Sieben-Meter-Marke. Bis 1998 sprang sie noch drei Mal auf den EM-Thron – das war zuvor keiner deutschen Leichtathletin gelungen.

Nach der Babypause auf den Olympia-Thron

Die Krönung folgte aber nach ihrer Babypause (1989): Bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona gewann Drechsler Olympia-Gold im Weitsprung. Acht Jahre später wiederholte die damals 35-Jährige in der australischen Stadt Sydney den Coup – wurde zum zweiten Mal Olympiasiegerin und betrachtet dies beim Blick in den Rückspiegel neben ihrem ersten WM-Titel als schönsten sportlichen Moment ihres Lebens.

Schulrekord hätte für Olympiasieg gereicht

Natürlich verlief auch die Karriere der Heike Drechsler nicht immer nur steil nach oben, dennoch ist sie mit sich und der Vergangenheit absolut zufrieden. “Ich glaube nicht, dass ich hätte etwas anders machen können. Alles hatte seine Zeit.” Man blicke jetzt – mit dem Abstand – anders auf gewisse Sachen, aber diesen Blick habe man damals nicht gehabt, sagt die Jubilarin, die am Montag in kleiner Runde mit der Familie und Freunden gemütlich Essen gehen wird.

Im Sommer verbringt sie dann ein langes gemeinsames Wochenende mit Freunden von früher. Zu erzählen gibt es viel. Auch, dass sie mit 7,17 Meter den Schulrekord in Jena hält – und damit 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris Gold gewonnen hätte…

Abstecher als Schauspielerin

Nach 27 Jahren im Leistungssport macht Heike Drechsler 2004 Schluss. Langweilig wird das Leben nicht. Sie arbeitet seit 30 Jahren bei der “Barmer”, ist dort Gesundheits-Botschafterin, gibt Präventionskurse. Auch ein kurzer Abstecher als Schauspielerin steht in ihrer Vita. Heike Drechsler spielt in der ARD-Serie “Rote Rosen” die Trainerin einer jungen Sportlerin, die zu Olympia will. Drei Folgen, eine Woche am Set. “Es war herrlich mal hinter die Kulissen zu schauen. Ich musste mich ja quasi nur selber spielen. Es hat viel Spaß gemacht.” Den Text lernt sie abends mit der Schwiegertochter bei einem Becher Glühwein. Schöne Zeit.

Wenn sie jetzt zu Kursen kommt, erkennen sie “die älteren Menschen als Sportlerin und die Jüngeren eher von Rote Rosen”, lacht Heike Drechsler, die sich in all den Jahren kaum verändert hat. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn die Sechs vor der Null steht. Es ist schließlich nur eine Zahl.

 

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